Montag, 25. Juni 2012

Was ist eine Störung der Geschlechtshormonregulation?

Der menschliche Körper ist überaus komplex und in seiner Funktionsfähigkeit elementar auf das optimale Zusammenspiel verschiedenster intrinsischer Faktoren angewiesen. Organische Gegebenheiten, Erbanlagen, aber auch Enzyme und Hormone fließen in die physiologischen Körpervorgänge ein und haben folglich auch einen Anteil an pathologischen Abläufen. Nicht umsonst wurde mit der Endokrinologie ein medizinischer Fachbereich geschaffen, welcher sich explizit mit den Hormonen, ihrer Bildung, ihren Aufgaben und ihren Funktionen sowie Störungen in der Hormonregulation beschäftigt.


Genau aus diesem Grund ist es auch wichtig, einen kreisrunden Haarausfall im Kontext einer Störung des Hormonhaushalts zu betrachten. Der Zusammenhang der Alopecia areata zu einer hormonellen Disposition im Kontext einer Schilddrüsenfunktionsstörung und damit einhergehenden Pathologien der Schilddrüsenhormone sind bereits hinreichend bekannt. Jenseits der Schilddrüsenhormone, namentlich mit Triiodthyronin und Thyroxin, bezeichnet als T3 und T4, genannt, ist eine weitere Hormonstörung, nämlich die der Geschlechtshormonregulation, häufiger Verursacher eines kreisrunden Haarausfalls.


Was sind Geschlechtshormone?


Vereinfacht ausgedrückt sind Geschlechtshormone, die medizinisch korrekt als Sexualhormone bezeichnet werden, Botenstoffe, die dafür zuständig sind, die geschlechtliche Zugehörigkeit eines Individuums zu definieren. Selbstverständlich sind die entsprechenden Anlagen bereits im Embryonalstadium vorgegeben, es sind jedoch die Sexualhormone, die letztendlich die Geschlechtsreife als Mann oder Frau mit den entsprechenden primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen hervorrufen. Folglich muss in die weiblichen sowie die männlichen Geschlechtshormone unterschieden werden, die ihrerseits noch Gesellschaft um geschlechtsneutrale Sexualhormone erhalten.

Obwohl eine derartige geschlechtliche Unterscheidung der Sexualhormone vorgenommen werden muss, so gilt es prinzipiell zu verstehen, dass sowohl Mann wie auch Frau männliche wie auch weibliche Sexualhormone zuzüglich der geschlechtsneutralen Hormone aufweisen. Die entscheidenden Diskrepanzen bestehen in der Ausprägung der jeweiligen Sexualhormone.

Die wichtigsten Sexualhormone und ihre Aufgaben sind:


1. Weibliche Sexualhormone: 


a)    Östrogen:
Östrogen ist das wichtigste weibliche Sexualhormon und übernimmt als solches eine Vielzahl an Aufgaben. Gebildet wird es in den Eierstöcken und in geringem Anteil auch in der Nebennierenrinde. Seine Hauptaufgabe liegt in der weiblichen Zyklusregulation und zum Pubertätseintritt auch in der Ausbildung weiblicher Geschlechtsmerkmale. Östrogene sind hauptverantwortlich für ein körperliches Erscheinungsbild, welches als typisch weiblich bezeichnet wird.

b)    Gestagen:
Gestagen ist ein weibliches Sexualhormon, welches in seiner Form als Progesteron die Vorbereitung der Gebärmutter auf eine potenzielle Schwangerschaft übernimmt und bei deren Ausbleiben durch einen rapiden Abfall für das Einsetzen der Menstruation sorgt.

2. Männliche Sexualhormone: 


a)    Androgen:
Androgen ist ein Sammelbegriff für Sexualhormone, die überwiegend dem männlichen Geschlecht zugeschrieben werden. Sie übernehmen die Aufgabe der Herausbildung sämtlicher männlicher Geschlechtsmerkmale und definieren demzufolge das männliche Erscheinungsbild. In geringem Ausmaß sind Androgene auch endokrinologischer Bestandteil des weiblichen Geschlechts.

b)    Testosteron:
Das wohl bekannteste männliche Sexualhormon ist das Testosteron, welches hier zwar gesondert erwähnt wird, eigentlich jedoch der Kategorie der Androgene zugeordnet werden muss. Testosteron ist das Sexualhormon schlechthin, wenn es um die männlichen Geschlechtsmerkmale primärer und sekundärer Art geht.

3.    Geschlechtsneutrale Sexualhormone:


a)    FSH:
FSH ist das Follikel stimulierende Hormon und in diesem Kontext Verantwortungsträger für die Geschlechtsreife im Sinne der Fortpflanzung. Es führt bei der Frau zur Produktion von Östrogen in den Eierstöcken, beim Mann hingegen zur Bildung von Spermien im Hoden.

b)    LH:
LH als geschlechtsneutrales Hormon übernimmt im weiblichen Körper die Aufgabe der Gestagen- beziehungsweise Progesteron-Produktionsanregung und leistet somit einen elementaren Beitrag zum regulären Zyklusablauf inklusive Eireifung und Eisprung. Im männlichen Körper hingegen sorgt LH für die Ausschüttung von Testosteron und wirkt darüber hinaus auf die Entwicklung befruchtungsfähiger Samenzellen ein.

Die Geschlechtshormonstörung


Sexualhormone sind für eine Vielzahl an körperlichen Abläufen, gerade im Kontext der Geschlechtsreife einhergehend mit der Fortpflanzungsfähigkeit, verantwortlich. Aber auch die Ausprägung der charakteristischen Geschlechtermerkmale obliegt dem hormonellen Wirkungsbereich. Körperform, Körperbehaarung, Stimmlage und –farbe wie auch die Körperfettverteilung fallen dem hormonellen Wirkungskreis zu, ebenso wie Knochen- und Muskelaufbau maßgeblich von den Sexualhormonen mitbestimmt werden.

Möglich ist diese komplexe Aufgabenwahrnehmung aufgrund der Feinabstimmung der Hormone als solche sowie untereinander, ein Thema, in welches auch das Vorhandensein konträrer Geschlechtshormone einfließt.

Umso verständlicher ist es, dass ein solch komplexes endokrinologisches System äußerst anfällig gegenüber Störungen ist. Geschlechtshormonstörungen sind keine Seltenheit, sondern betreffen viele Menschen mindestens einmal im Laufe ihres Lebens. Manche davon fallen in den Bereich physiologischer Körperveränderungsprozesse, anderen wiederum liegen pathologische Funktionen des Organsystems zugrunde. Welcher Grund auch immer ursächlich für die Geschlechtshormonstörung ist, primäres Ziel muss deren Behebung sein, da ein solches Krankheitsbild immer mit erheblichen Symptomen unangenehmer Art einher geht.

Arten der Geschlechtshormonstörungen


Störungen in der Regulation der Sexualendokrinologie können alle Geschlechtshormone gleichermaßen betreffen und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht der betroffenen Person. So ist es durchaus denkbar, dass ein Mann Hormondispositionen eines weiblichen Sexualhormons aufweist, während Frauen durchaus an einem Testosteronüberhang leiden können. Wesentlich häufiger sind jedoch Hormonregulationsstörungen am geschlechtseigenen Sexualhormon, während darüber hinaus auch geschlechtsneutrale Hormonstörungen keine Seltenheit sind.

Prinzipiell kann man in zwei verschiedene Arten an Geschlechtshormonstörungen unterscheiden:

1.    Überhang eines Geschlechtshormons

Eine Form der Störung der Sexualhormonregulation ist ein Überschuss eines bestimmten Geschlechtshormons. Ob es sich dabei um Östrogen, Gestagen, Androgen, LH oder FSH handelt, ist prinzipiell irrelevant, wenngleich die Auswirkungen in Form von erkennbaren Symptomen different sind.

Ursache des Geschlechtshormonüberhangs ist in der Regel eine entsprechende Überproduktion, die abhängig vom betroffenen Sexualhormon in den Eierstöcken, den Hoden, der Nebennierenrinde oder der Hypophyse, der so genannten Hirnanhangdrüse, verursacht wird. Davon abzugrenzen ist der Geschlechtshormonüberschuss, welcher durch eine Unterproduktion eines anderen Sexualhormons induziert wird, basierend auf der Tatsache, dass alle Geschlechtshormone in einer Produktionsabhängigkeit zueinander stehen. So führt ein Östrogenmangel beispielsweise zu einer übermäßigen Testosteronproduktion, während ein Östrogenüberschuss die Testosteronproduktion hemmt. Vermännlichung der Frau und Verweiblichung des Mannes lauten die zentralen Schlagworte in diesem Kontext.

2.    Mangel an Geschlechtshormonen

Konträr zur Geschlechtshormonüberproduktion kann eine Regulationsstörung dieser endokrinologischen Sektion sich auch in einem Mangel an Geschlechtshormonen äußern, die ebenfalls alle Sexualhormone gleichermaßen betreffen kann. Auch hier liegen als Ursachen häufig körperliche Produktionsdefizite oder eine wechselseitige Hormonbeeinflussung vor.

Eine Störung der Geschlechtshormonregulation muss immer als ein pathologischer Zustand betrachtet werden, wenngleich er quantitativ beachtenswert ist und ihm in der Regel keine ernsthaften Erkrankungen zugrunde liegen. Im Zuge der körperlichen Reifungs- beziehungsweise Alterungsprozesse sowie im Kontext notwendiger hormoneller Körperumstellungen können immer wieder Sexualhormonregulationsstörungen beobachtet werden. Pubertät, Menopause und Schwangerschaft lauten die zentralen Begriffe, die bis auf letzteres auch die Sexualhormonregulation der Männer beeinflussen können. Außerdem sollte der Einfluss extern zugeführter Sexualhormone nicht verachtet werden. Anti-Baby-Pille, Dreimonatspritze, Hormonspirale oder Verhütungsimplantate sind nicht selten Initiator einer Disposition im Geschlechtshormonhaushalt.

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