Dienstag, 10. Juli 2012

Kreisrunder Haarausfall als Begleitsymptom einer Geschlechtshormondisposition

Das endokrinologische System des Menschen ist äußerst sensibel und unterliegt bereits physiologisch permanenten Schwankungen. Es ist allerdings auch äußerst anfällig gegenüber kleinsten Veränderungen, auf die es dann mit pathologischen Hormondispositionen reagiert, die sich in multiplen Krankheitssymptomen äußern können. Vor allem eine Störung der Geschlechtshormonregulation stellt in diesem Kontext ein häufig vorkommendes Problem dar, unter dessen Blickwinkel ein kreisrunder Haarausfall immer betrachtet werden muss.


Im Konkreten bedeutet dies, dass bei Auftreten einer Alopecia areata stets eine Geschlechtshormondisposition in Betracht gezogen und entsprechend untersucht werden muss. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass nicht eine einzige Störung des Sexualhormonhaushalts in Frage kommt, sondern es verschiedene diesbezügliche Regulationsdiskrepanzen gibt, die zwar alle pathologisch sind, denen jedoch nicht immer eine organische Ursache zugrunde liegt. Sie können sich teils aus physiologischen Körpervorgängen ergeben.

Testosteronüberschuss führt zu kreisrundem Haarausfall


Sexualhormone sind die Hauptverantwortungsträger, wenn es darum geht, die äußeren Merkmale von Männern und Frauen zu definieren. So führt Östrogen beispielsweise zur typisch weiblichen Fettverteilung, während Testosteron, das männliche Geschlechtshormon schlechthin, das männliche Haarwachstum induziert.

Und genau an diesem Punkt muss die Brücke zum kreisrunden Haarausfall geschlagen werden. Denn tatsächlich ist es so, dass ein Überschuss an Testosteron im Körper nicht, wie allgemein angenommen wird, das Haarwachstum fördert, sondern ganz im Gegenteil den Haarausfall begünstigt. Schuld daran ist jedoch nicht das Testosteron als solches, sondern vielmehr eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber diesem männlichen Sexualhormon. In der Konsequenz fallen somit die Haare aus, was sich meist bis zu einer Alopecia areata totalis steigert.

Die typischen Symptome eines Testosteronüberschusses sind:

  • ein anfänglich verzögertes Haarwachstum,
  • die Bildung nur noch sehr dünner und kurzer Haare, die als so genannte Wollhaare bezeichnet werden,
  • eine Steigerung der Symptomatik hin zum kreisrunden Haarausfall als Alopecia areata totalis,
  • überdurchschnittlich ausgeprägtes männliches Erscheinungsbild mit beispielsweise tiefer Stimme und gesteigertem Körperhaarwachstum vor allem im Gesicht,
  • auffallende Stimmungsschwankungen mit häufiger Aggressivität und
  • Akne.

Im klinischen Laborbefund zeigt sich ein deutlicher Anstieg des Androgens Testosteron, während häufig begleitend ein Östrogenmangel festgestellt werden kann. Diese Ursache des kreisrunden Haarausfalls kann Männer wie auch Frauen gleichermaßen betreffen.

DHT Überempfindlichkeit vonnöten


Bereits seit längerem ist bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen einem Testosteronüberschuss und kreisrundem Haarausfall zu geben scheint. Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass es das Testosteron als solches ist, welches die Entstehung einer Alopecia areata begünstigt. Diese These konnte jedoch in repräsentativen klinischen Studien anhand multipler Testpersonen eindeutig widerlegt werden. Und doch ist die Testosteronabhängigkeit des kreisrunden Haarausfalls geblieben.

Schuld daran, so wissen die Experten heute, ist nicht das Testosteron selbst, sondern das so genannte DHT, korrekt als Dihydrotestosteron bezeichnet, welches ein Abbauprodukt des Androgens Testosteron darstellt. Nachgewiesenermaßen weisen Menschen, deren kreisrunder Haarausfall als Folge eines Testosteronüberschusses betrachtet werden muss, eine Überempfindlichkeit genau gegenüber diesem DHT auf und zwar im Konkreten an den Haarwurzeln, die zusehends verkümmern und so der Alopecia areata totalis den Weg ebnen.

Multiple Ursachen sind für den Testosteronüberschuss verantwortlich


Wird ein kreisrunder Haarausfall als Resultat einer Geschlechtshormondisposition und somit im Konkreten als Folge des Testosteronüberschusses diagnostiziert, so muss sich natürlich die Frage nach der Ursache dieser Sexualhormondisposition gestellt werden. Glücklicherweise muss man diesbezüglich nicht weit forschen, denn in der Regel hat das körperliche Überangebot an Androgenen einen simplen Hintergrund. Dennoch sollte man wissen, dass durchaus verschiedene Ursachen des Testosteronüberschusses und damit des sexualhormonbedingten kreisrunden Haarausfalls zur Debatte stehen:

  1. Testosteronüberproduktion in den Hoden beziehungsweise den Eierstöcken oder in der Nebennierenrinde als Folge einer entsprechenden Grunderkrankung des jeweiligen Organs (Tumore, Nebennierenhyperplasie oder Morbus Cushin).
  2. Eine Resistenz gegenüber Androgenen.
  3. Externe Testosteron Zufuhr in Form von Dopingmitteln.
  4. Östrogenmangel aufgrund einer derartigen Minderproduktion mit organischer Disposition.
  5. Natürliche Schwankungen des Hormonhaushalts aufgrund körperlicher Veränderungsprozesse:

a)    Pubertät

Zu Beginn der Pubertät setzt bei beiden Geschlechtern eine verstärkte Testosteronproduktion ein, so dass es kurzzeitig zu einem Überangebot mit kreisrundem Haarausfall kommen kann. Vor allem im Kontext der Pubertas praecox, dem vorzeitigen Pubertätsbeginn, kann der Körper diese Hormonumstellung nur verzögert verarbeiten.

b)    Klimakterium

Das Einsetzen der Wechseljahre geht physiologisch mit einer starken Verminderung der Östrogenproduktion einher, die in der Konsequenz die Testosteronausschüttung ansteigen lässt.

c)    Schwangerschaft

Die hormonelle Umstellung zu Beginn einer Schwangerschaft kann vorübergehend ein hormonelles Ungleichgewicht zugunsten des Testosterons induzieren.

d)    Stresssituationen

Häufig vergessen, aber keineswegs zu vernachlässigen ist die psychische Situation und ihr Einfluss auf den hormonellen Haushalt. So können psychische Belastungen und Stresssituationen vor allem bei Frauen die Östrogenproduktion schmälern, was sich steigernd auf die Testosteronausschüttung auswirkt.

Kommt es aufgrund hormoneller Veränderungen zum kreisrunden Haarausfall, ist oftmals Testosteron verantwortlich dafür.

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