Freitag, 10. August 2012

Diagnose der Geschlechtshormonstörung bei kreisrundem Haarausfall

Ein kreisrunder Haarausfall weist immer auf ein krankhaftes Geschehen hin und bedarf deshalb stets einer umfangreichen medizinischen Abklärung. So weit die Theorie. Die Praxis sieht allerdings etwas anders aus, denn vor allem Männer im mittleren Lebensalter vermuten hinter ihrem schwindenden Haupthaar nicht gleich ein Krankheitssymptom, sondern sehen dieses als Zeichen des natürlichen Alterungsprozesses in Kombination mit einer androgenetischen Komponente. Genau deshalb ist die Alopecia areata auch häufig ein purer Zufallsbefund und wird konkret meist nur von Frauen als krankhaftes Symptom beim Arzt des Vertrauens vorgetragen.


Ist dies nun geschehen, so liegt es selbstverständlich am zuständigen Mediziner, den pathologischen Kontext des kreisrunden Haarausfalls aufzudecken und dabei auch die Möglichkeit einer Geschlechtshormondisposition nicht außer Acht zu lassen.

An eine solche muss explizit dann gedacht werden, wenn die von der Alopecia areata betroffene Person jenseits des kreisrunden Haarausfalls zusätzliche Symptome wie

  • überdeutliche Vermännlichung,
  • überdurchschnittlich stark ausgeprägte Libido,
  • massive Stimmungsschwankungen mit teils aggressiven Tendenzen,
  • Akne oder
  • deutliche Zyklusstörungen

aufweist.

Ist der Testosteronüberschuss hingegen ein Resultat einer verminderten Östrogenausschüttung, was eine häufige Ursache gerade beim weiblichen Geschlecht darstellt, so kommt es weiterführend beziehungsweise stattdessen zu folgenden Symptomen, die den typischen Wechseljahrsbeschwerden gleichzusetzen sind:

  • Nachtschweiß,
  • Hitzewallungen,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Libidoverlust,
  • Schleimhauttrockenheit vor allem im Scheidenbereich und
  • gesteigerte Infektanfälligkeit des Urogenitaltraktes.

Hinzu kommen außerdem die typischen Symptome des kreisrunden Haarausfalls, basierend auf einer DHT Überempfindlichkeit:

  • Beginnend ist das Haarwachstum scheinbar verzögert, was bedeutet, dass die Haare ausfallen, ehe sie eine übliche Länge erreicht haben.
  • Nachwachsende Haare sind auffallend dünn und werden deshalb als so genannte Wollhaare bezeichnet, die kaum noch zu sehen sind.
  • Im weiteren Verlauf wachsen an den betroffenen Stellen keine Haare mehr.
  • Während anfänglich die hormonelle Alopecia areata begrenzt ist, weitet sich die betroffene Fläche kontinuierlich aus, bis es zu einer Alopecia areata totalis kommt.

Die Diagnose geschlechtshormoneller Alopecia areata


Die Verdachtsdiagnose einer Sexualhormon bedingten Alopecia areata ergibt sich meist aufgrund des Zusammenspiels der verschiedenen Symptomatiken, die doch alle sehr charakteristisch für das Vorliegen einer solchen Erkrankung sind. Dabei können sowohl der kreisrunde Haarausfall wie auch die weiterführenden Symptome der Hormonstörung initiativ für den Arztbesuch gewesen sein.

Nun ist es jedoch an der Zeit den entsprechenden Verdacht zu erhärten und folglich mittels anerkannter Untersuchungsverfahren die Diagnose zu sichern. Dabei kommt primär ein Hormonstatus zum Einsatz, der den Testosteron- wie auch Östrogenspiegel im Blut definieren soll.

In der Regel geschieht dies mittels einer Untersuchung des Blutserums, denkbar ist aber auch eine Hormonspiegelmessung über das Blutplasma, den Speichel oder den Urin. Nichtsdestotrotz ist die Blutserumuntersuchung am häufigsten angewandt, da in diesem Zusammenhang zeitgleich auch auf andere Grunderkrankungen, beispielsweise des Immunsystems oder der Schilddrüse, untersucht werden kann.

Die für den kreisrunden Haarausfall relevanten Geschlechtshormon Normwerte stellen sich wie folgt dar:

 

Männer
Frauen
Testosteron
3 – 10 ng/ml
0,06 – 0,86 ng/ml
Östrogen
30 – 60 ng/l
25 – 300 ng/l

Bei einem gesteigerten Testosteronspiegel, mit oder ohne Beteiligung einer abgesenkten Östrogenkonzentration, muss dies als Ursache des kreisrunden Haarausfalls in Betracht gezogen werden.

Diagnose der DHT Überempfindlichkeit


Ein gesteigerter Testosteronspiegel alleine reicht nicht aus, um eine geschlechtshormonell bedingte Alopecia areata zu diagnostizieren. Denn es ist das Zusammenspiel mit einer Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber dem Testosteron Abbauprodukt DHT, welches den kreisrunden Haarausfall induziert.

Genau aus diesem Grund muss zur eindeutigen Diagnosestellung auf eine solche DHT Überempfindlichkeit hin untersucht werden. Hier käme prinzipiell die Untersuchung einer Haarwurzelprobe in Betracht. In der Praxis wird von dieser Option jedoch nur spärlich Gebrauch gemacht. Stattdessen beruft man sich auf die Ergebnisse der Hormonuntersuchungen sowie des typischen Verlaufs einer Alopecia areata mit geschlechtshormoneller Ursache.

Hormonstörungsursache finden


Zur Diagnosestellung eines kreisrunden Haarausfalls aufgrund einer Geschlechtshormondisposition reichen die oben genannten Untersuchungsmethoden eindeutig aus, allerdings sind sich die Experten darüber einig, dass dies nicht alles sein kann. Denn gerade einem kreisrunden Haarausfall liegt in der Regel keine kurzweilige Sexualhormonstörung zugrunde, sondern eine solche, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und behandlungsbedürftig ist.

Deshalb ist es zwingend erforderlich, sämtliche Diagnoseverfahren nicht nur auf die Alopecia areata als solches zu beschränken, sondern auch die Ursachen und Hintergründe der Grunderkrankung zu erforschen. Bildgebende Untersuchungsverfahren sowie weiterführende Untersuchungen diverser Körperflüssigkeiten sind dabei genauso bedeutsam wie der manuelle Ganzkörper Check-Up. Das Wissen, dass eine Alopecia areata nur dann ganzheitlich beseitigt werden kann, wenn der Grunderkrankung zuleibe gerückt wird, ist für alle einzuleitenden Behandlungsmethoden von elementarer Bedeutung.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Informationen dieser Art sollen nicht die Anweisungen eines Arztes oder eines anderen Angehörigen der Heilberufe ersetzen.

Die auf den Webseiten enthaltenen Informationen dürfen nicht zur Diagnose oder Therapie eines gesundheitlichen oder medizinischen Problems oder einer Krankheit verwendet werden. In solchen Fällen müssen Sie stets einen Arzt konsultieren bzw. medizinischen Rat einholen.

Da die Informationen im Laufe der Zeit veraltet sein können, ist es unbedingt erforderlich, dass stets der Rat eines Arztes eingeholt wird, um zu einer angemessenen klinischen Beurteilung Ihres spezifischen Zustandes bzw. des spezifischen Zustandes des einzelnen Patienten zu gelangen.